Immer nur solo…

Seit ein paar Wochen gehe ich mit unserem Sohn  (11 Monate alt) zu einer Spiel- und Krabbelgruppe, aber er macht noch gar nichts mit den anderen Kindern zusammen. Die Leiterin sagt zwar, dass sei normal, aber trotzdem bin ich ein bisschen enttäuscht und verunsichert… 

© olesiabilkei - Fotolia.comElternbriefe du + wir

„Bitte erwarten Sie nicht zu viel von Ihrem Sohn! Solche Eltern-Kind-Gruppen
sind ein tolles Angebot für die Kleinen (und ihre Eltern!), wo sie in geschütztem Rahmen vieles ausprobieren und bei anderen Kindern abgucken können. Aber das gemeinsame Spielen entwickelt sich erst später mit zwei, drei Jahren; vorerst bleibt es bei eher zufälligen Begegnungen, wenn die Kleinen im Raum herumkrabbeln und sich vielleicht für dasselbe Objekt interessieren. Kinder in diesem Alter untersuchen alles, was ihnen in die Finger fällt, sei es ein Spielzeug, Mamas Handtasche oder auch die Haare anderer Kinder. Die anderen Krabbler sind nicht als Mitspieler von Interesse, sondern eher als jemand, der gerade eine funkelnde Schüssel oder einen Ball hat - oder der gerade im Weg liegt und so zum Gegenstand der Untersuchung oder zum Klettergerät wird. Wenn Ihr Sohn andere jetzt bei einem spannenden Spiel beobachtet und sie dann nachahmt (das sogenannte Parallelspiel), ist das schon eine tolle Leistung!

Erst mit etwa drei Jahren schaffen Kinder es, sich in andere hineinzuversetzen; dann sind auch gemeinsame Rollenspiele wie „Vater, Mutter, Kind“ möglich. Lassen Sie Ihrem Sohn also den Freiraum des Ausprobierens, auch wenn sich die Kinder dabei manchmal in die Haare geraten. Klar, dass Sie und die anderen Eltern eingreifen müssen, wenn sie sich gegenseitig weh tun. Erwarten Sie aber bitte kein „soziales“ Handeln von ihnen, das wäre noch viel zu früh und eine absolute Überforderung!“

Die Elternbriefe du + wir begleiten Mütter und Väter bei der Erziehung ihrer Kinder. Von der Geburt bis zum 9. Lebensjahr bekommen sie Informationen zur kindlichen Entwicklung, Anregungen zur Gestaltung des Familienlebens und eine Vielzahl praktischer Tipps. Die 36 Briefe sind jeweils abgestimmt auf das betreffende Alter des Kindes. Hinzu kommen zwei thematische Elternbriefe, weitere sind in Arbeit.

Sie können die Elternbriefe am Bildschirm lesen. Oder Sie lassen sich die Briefe ins Haus schicken - kostenlos, versteht sich.

Die Elternbriefe wollen dazu beitragen, dass das Leben in Ehe und Familie gelingt. Dazu hat die katholische Kirche diese Initiative gestartet. Erarbeitet werden die Briefe von einem Team von Fachleuten: Erziehungsberatern, Ärztinnen, Theologen, Journalisten. Das bürgt nicht nur für eine solide fachliche und wissenschaftliche Grundlage der Beiträge, sondern auch für eine einfache, gut lesbare Sprache.