„Wie ticken Jugendliche?“ - Expertenvortrag gibt Einblicke in Lebenswelten junger Menschen

„Mainstream ist wunderbar“ und „Streber statt Rebellen“ titelten große Tageszeitungen, als die aktuelle Sinus-Jugendstudie im April 2016 erschien. Dass sich die Lebenswelten junger Menschen nicht derart einfach zusammenfassen lassen, erfuhren 70 Vertreter vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und der Malteser beim Fachtag „Wie ticken Jugendliche 2016?“ im DJH Jugendgästehaus Dortmund.

Als Referent war Diplompädagoge Peter Martin Thomas als Experte auf dem Gebiet der Lebensweltforschung zu Gast. Thomas ist Leiter der Sinus-Akademie in Heidelberg und einer der Autoren der Studie.

Anschaulich fasste der Redner die zentralen Befunde in seinem interaktiven Vortrag zusammen: „Jugendliche in Deutschland leben nach wie vor in unterschiedlichen Lebenswelten, aber sie rücken in mehrfacher Hinsicht zusammen.“ Für die meisten 14 bis 17-jährigen gelte heute: Man möchte sein wie alle. Die auf Abgrenzung und Provokation zielenden großen Jugend-Subkulturen gebe es kaum mehr. Einen Grund sieht Peter Martin Thomas darin, dass die Welt als zunehmend unsicher empfunden wird. Dies erkläre das Streben nach Harmonie und Sicherheit – das „einfach normal sein wollen.“ – welches laut der Sinus-Studie unter Jugendlichen vorherrsche. Eine Mehrheit sei sich einig, so Thomas, dass gerade in der heutigen Zeit ein gemeinsamer Wertekanon von Freiheit, Aufklärung, Toleranz und sozialen Werten gelten müsse. Denn nur dieser könne das „gute Leben“, das man in Deutschland hat, auch garantieren.

Nach Darstellung dieser übergreifenden Befunde nahm der Autor die Zuhörer mit auf eine interaktive Reise und tauchte mit ihnen in die Lebenswelten ausgewählter sozialer und kultureller Milieus ein. Zur Sprache kamen auch die Themen Religion und Glauben. Wie die Sinus-Studie zeigt, spielt unter Jugendlichen die Religion bei der Auswahl von Freunden keine ausgeprägte Rolle. Vergemeinschaftung findet in sämtlichen Milieus nicht aufgrund der Glaubenszugehörigkeit statt. Die Instrumentalisierung von Religion für Gewalt wird von Jugendlichen als unsinnig und als vorgeschobener Grund wahrgenommen. Das sind Tatsachen, denen sich die Kirche und insbesondere ihre Verbände stellen müssen, sind sich die Gastgeber des Fachtages sicher.

„Als katholischer Jugendverband müssen wir uns immer wieder aufs Neue mit den Lebenswelten junger Menschen auseinandersetzen. Daher ist der BDKJ auch einer der Auftraggeber der Sinus-Studie“, sagte Sebastian Koppers, BDKJ-Diözesanvorsitzender. Zusammen mit dem Malteser Diözesangeschäftsführer Andreas Bierod hatte er zum Vortrag eingeladen. Auch Andreas Bierod ist überzeugt, dass die Sinus-Studie ein wichtiges Instrument ist, damit junge Menschen sich auch in Zukunft gerne in katholischen Verbänden einbringen: „Als großer Arbeitgeber mit 5.000 ehrenamtlichen und über 1.000 hauptamtlichen Mitarbeitern in der Erzdiözese Paderborn müssen wir uns die Frage stellen: wie können wir junge Menschen für uns gewinnen, beispielsweise als Helfer, Gruppenleiter oder Auszubildende?“ Mit einer aktiven Jugendarbeit (Malteser Jugend, Schulsanitätsdienste) wollen die Malteser die Weichen dafür stellen.

 Peter Martin Thomas tauchte mit 70 Zuhörern in die Lebenswelten junger Menschen ein. Foto: BDKJ/Eckert

Peter Martin Thomas tauchte mit 70 Zuhörern in die Lebenswelten junger Menschen ein. Foto: BDKJ/Eckert