Nachrichten aus dem Dekanat – für das Dekanat

Papst Paul VI. und die Enzyklika Humanae vitae - Entdeckung eines vieldiskutierten Papstschreibens – Vortragsabend mit Prof. Dr. Peter Schallenberg, Paderborn

“Es gilt, die Botschaft der Enzyklika Humanae vitae Papst Paul VI. wieder zu entdecken, die hervorhebt, dass bei der moralischen Bewertung der Methoden der Geburtenregelung die Würde der Person respektiert werden muss”. Das schreibt Papst Franziskus gleich zweimal in seinem Schreiben Amoris laetitia über die Liebe in der Familie.

Das Katholische Bildungswerk Siegen-Wittgenstein, die Katholische Erwachsenen- und Familienbildung Olpe (kefb), der Bildpunkt St. Peter und Paul und das Dekanat Siegen luden in diesem Sinne aus Anlass der Heiligsprechung Paul VI. zu einem Abend über Entstehungs- und Wirkungsgeschichte der Enzyklika ein.

Prof. Dr. Peter Schallenberg, Moraltheologe aus Paderborn und Direktor der Katholischen Zentralwissenschaftlichen Arbeitsstelle der Deutschen Bischofskonferenz stellte kurzweilig diesen Lehrtext vor.

Paul VI. habe es sich mit der Enzyklika „über die Weitergabe des menschlichen Lebens“ nicht leicht gemacht, und es sei, obwohl er nach Abfassung noch 10 Jahre im Amt war, sein letztes großes Lehrschreiben gewesen. Paul VI., der heute vielfach als erster moderner Papst gelte, habe das von Papst Johannes XXIII. begonnene II. Vatikanische Konzil zu Ende geführt und von den Konzilsteilnehmern den Auftrag erhalten, ein Schreiben über die Fragen der Lebensweitergabe zu verfassen.

Um die Inhalte von Humanae vitae einzuordnen, müsse man berücksichtigen, dass die Ehe in der Katholischen Kirche ein Sakrament sei.

Eheleute versprächen sich Liebe bis an ihr Lebensende und würden dabei in besonderer Weise von Gott geschützt. Schallenberg holte weit in der Theologiegeschichte aus und erläuterte Bezug nehmend auf den heiligen Augustinus (4. Jahrhundert), dass nur innerhalb der ehelichen Verbindung nach Auffassung der katholischen Kirche sexuelle Betätigung möglich und gültig sei.

Dabei habe die eheliche Liebe drei wesentliche Merkmale: sie sei offen für neues Leben, sie drücke Treue, Leidenschaft und Begehren aus, sei ein Zeichen der Nachfolge Jesu. Fragen zur Weitergabe des Lebens seien schon vor der Veröffentlichung der Enzyklika  in der Kirche gestellt worden, etwa: “Dürfen Eheleute die weniger fruchtbaren Zeiten der Frau zum Geschlechtsverkehr nutzen ?”.

Das Eheziel der Zeugung sei dann ja nicht gegeben. Die Entdeckung der fruchtbaren und unfruchtbaren Zeiten im Zyklus der Frau sei neu gewesen und damit die Erkenntnis, auch ohne Zeugung miteinander ehelichen Verkehr zu haben.

Es war Papst Pius XI., der bereits im Jahr 1930 mit einer Enzyklika feststellte, dass alle Formen der Empfängnisverhütung verboten seien, es sei denn, das Ehepaar bediene sich der unfruchtbaren Zeiten. Als in den fünfziger Jahren dann die Pille auf den Markt kam, stellte sich die Frage erneut. Humanae vitae blieb bei der Auffassung, dass eheliche Liebe nicht von der Fortpflanzung getrennt werden sollte und immer offen für neues Leben sein müsse. Damit lehnte Paul VI. künstliche Verhütungsmittel ab und schloss sich einer

Minderheit der von ihm einberufenen Expertenkommission an, zu der im übrigen Kardinal Karol Woytila aus Polen, der spätere Papst Johannes Paul II., gehörte.  Die Ganzhingabe in der ehelichen Liebe, so die Auffassung, sei immer auch offen für das Kind.

In einer persönlichen Einschätzung sprach Prof. Schallenberg von einem “hohen Ideal” für Eheleute, welches viel Glaubens- und Gebetsleben benötige. Er machte Mut zu einem “Lernweg”, welcher durch eine stufenweise Annäherung an das Ideal geprägt sei. Der Verzicht auf künstliche Verhütungsmittel sollte nach dem Willen Paul VI. auch einem Egoismus zu zweit Vorschub leisten.

In der anschließenden Diskussion ging Schallenberg auf Nachfrage auch auf die “Königsteiner Erklärung” der Bischöfe kurz nach Erscheinen der Enzyklika ein.

Es sei “normale Lehre, dass auch für den Katholiken zunächst das eigene Gewissen zähle”. Die Bischöfe hätten aber auch darauf hingewiesen, zunächst die Lehre des Papstes aufrichtig zur Kenntnis zu nehmen. Und auf das Entstehungsjahr der Enzyklika eingehend, meinte der Referent, dass das Jahr 1968 gesamtgesellschaftlich natürlich auf Befreiung und Emanzipation von Regeln ausgerichtet gewesen sei, und die Enzyklika auch deshalb so hohe Wellen schlug.

FOTO (Veranstalter): Prof. Schallenberg im Pfarrheim St. Peter und Paul, Siegen

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