Nachrichten aus dem Dekanat – für das Dekanat

Erhöhter Gesprächsbedarf und große Sorge

Dekanatspastoralkonferenz Siegen tagte zum Thema Missbrauch

Wie werden wir in dem Thema sprachfähig? Wie gehen wir konkret mit Hilfesuchenden/Opfern um? Wie antworten wir, wie grenzen wir uns ab? Wie positioniere ich mich persönlich zum Thema? Was bedeutet das für mein Verhältnis zur Kirche? Wie kommen wir mit den Gemeinden dazu ins Gespräch?
Diese wichtigen Fragen standen im Mittelpunkt der Konferenz der Priester und hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Gemeinden und Einrichtungen der Katholischen Kirche im Dekanat Siegen. Insbesondere nach der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie durch die Deutsche Bischofskonferenz wurde deutlich, dass auch intern ein erhöhter Gesprächsbedarf besteht.

Zur Moderation dieser Konferenz hatte Dekanatsreferent Christoph Schüttler mit Frau Marion Schwermer aus Bonn eine ausgewiesene Fachfrau gewinnen können. Die Diplom-Psychologin, Diplom-Theologin und Supervisorin (DGSv) ist mit der Thematik nicht zuletzt durch berufliche Engagements für die Erzbistümer Köln und Paderborn befasst.
Der deutlich spürbare Vertrauensverlust in Kirche und die Menschen in der Seelsorge bereitet vielen große Sorge. „Wir müssen uns den Menschen deutlich zuwenden: Wut, Ärger, Enttäuschung und Empörung muss im kirchlichen Reden Platz haben“, so formulierte eine Teilnehmerin ihren Wunsch nach einem offenen Dialog zum Thema.
Einige der Konferenzteilnehmenden äußerten ihre Betroffenheit und Wut, sowie Gefühle von Angst und Trauer. Die Frage, die sich viele stellen, ist die nach dem Umgang mit Nähe und Distanz: „Wie kann ich in der Seelsorge weiterhin authentisch agieren?“ Als wichtige Erkenntnis des Gespräches wurde festgehalten, dass sich Jede und Jeder persönlich zum Thema positionieren muss, um handlungsfähig zu bleiben. Ausblenden und Wegschauen ist nicht möglich. Die Anerkennung der Realität kann zu einer Professionalisierung in der Berufsrolle führen.
„Was können wir als Verantwortliche im Dekanat Siegen tun?“ war die Abschlussfrage nach der intensiven, von großer Offenheit geprägten Diskussion.
Die Teilnehmenden waren sich einig, dass die Themen Missbrauch und Sexualisierte Gewalt wach und präsent gehalten werden sollen und der Umgang damit von Transparenz und Ehrlichkeit geprägt ist. In den Pastoralen Räumen und Gemeinden werden Institutionelle Schutzkonzepte erarbeitet und müssen in der Folge umgesetzt werden. Die Priester und hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Gemeinden und Einrichtungen werden sich in kommenden Jahr erneut in der Prävention sexualisierter Gewalt fortbilden und auch ehrenamtlich Tätige werden zu Präventionsschulungen eingeladen.
Die Mitglieder der Dekanatspastoralkonferenz sehen den Bedarf, Opfern und vom Thema Betroffenen Hilfsmöglichkeiten aufzuzeigen und diesen konkrete Ansprechpersonen zu benennen. Dechant Karl-Hans Köhle betonte nach der Konferenz: „Uns war es wichtig, dass wir uns mit dem Thema fachlich fundiert sachlich auseinandersetzen, dass aber auch der persönliche Bezug und die individuelle Betroffenheit ihren Ausdruck finden können. Wir können zu dem Thema nicht schweigen, da es unsere Kirche im Kern betrifft und wir hart daran arbeiten müssen, wieder Glaubwürdigkeit zu erlangen. Es kommt dabei auf jede und jeden Einzelnen von uns im pastoralen Dienst und in unsren Einrichtungen an!“


Mögliche Bildunterschrift: Dechant Köhle bedankt sich bei der Referentin Marion Schwermer

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