Vom Konflikt zur Gemeinschaft

Grußwort von Dechant Köhle bei der Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises


Lieber Bruder Stuberg, lieber Synodalvorstand,
lieber Herr Landeskirchenrat Bock,
liebe Schwestern und Brüder,

vielen Dank zunächst für die Einladung zur Ihrer Kreissynode!

Seit der Wahl zum Dechanten im April entdecke ich die vielfältigen  Aspekte des Dekanates, ohne mein „Kerngeschäft“ zu vernachlässigen: die Gemeinden im PV Hüttental-Freudenberg, also in Geisweid, Weidenau und Freudenberg mit den rund 10.000 katholischen Christen.


Herzlich sind dort die Kontakte zu den evangelischen und freikirchlichen Gemeinden: Bibelwoche, Bibelgesprächskreis, Pfarrkonferenz Weidenau, Martinszüge, Pfingstmontag, Treffen Pfarrgemeinderäte/Presbyterium Klafeld,  Sternsingeraktion, Buß- und Bettagsgottesdienst, Schulgottesdienste und andere besondere Gottesdienste, Kinderfest und Nacht der Lichter im Wenscht…lang ist die Liste ökumenischer Veranstaltungen und Treffen in meinem Pastoralverbund.


Als ich vor 15 Jahren dort meinen Dienst als Pfarrer antrat, wurde ich herzlich begrüßt von Pfarrer Eerenstein auf Weidenauer Seite und den Pfarrerkollegen auf Klafelder Seite.
In die Welt der Universität – ich war ja zugleich auch Studentenpfarrer – führte der evangelischen Kollege Ralph van Doorn mich ein, und auch das Verhältnis zu seinen Nachfolgern, wie zuletzt mit Dietrich Hoof-Greve, war gut und herzlich.  Gottesdienste an der Uni waren selbstverständlich ökumenisch, ebenso wir z.B. unsere gemeinsame Aktion im Advent auf dem Campus, als wir den Studierenden zeigen wollten, warum wir Christen Weihnachten feiern.

Mit Pfarrer Frank Boes laufe ich jährlich beim Firmenlauf in der Gruppe „Ökumene läuft“.

Und dankbar bin ich auch über die gute Zusammenarbeit bei der Seelsorge im Kreisklinikum Weidenau, zwischen der evangelischen Seelsorgerin Silke Panthöfer und unserer katholischen Seelsorgerin, Constanze Dette-Habscheid.

Und auch das Evangelishce Gymnasium Weidenau liegt ja auf unserem Gemeindegebiet.

Auch Ihnen, Bruder Stuberg, danke ich noch einmal für die freundlichen Wort bei meiner Einführung und das freundliche Willkommen in Ihrem Büro zu einem ersten regulären Austausch!
Zwei Tagesordnungspunkte Ihrer Synode möchte ich heute für mein Grußwort besonders hervorheben:
das Reformationsgedenken und die Jugendpastoral.

Interessanterweise beschäftigen sich die Priester und Gemeindereferentinnen unseres Dekanates morgen bei ihrer Konferenz auch mit dem Thema „Jugendpastoral“: Wir wollen uns die aktuelle SINUS-Jugendstudie ansehen: „Was denken Jugendliche eigentlich über Glaube, Spiritualität und Kirche ?“
Papst Franziskus macht das Thema „Jugend“ zum Inhalt der nächsten weltweiten Bischofssynode im Herbst 2018.  

Die Jugend ist für die Kirche eine existentielle Frage. Wie gelingt es uns, die Jugend anzusprechen für das, was uns Christen wichtig ist ? Dass Glaube Sinn stiften kann für ihr Leben ?

Die Jugendlichen leben genauso wie die Erwachsenen in einer deutschen Gesellschaft, die – wie Papst Franziskus es gegenüber den deutschen Bischöfen gesagt hat - , von einer „Erosion des Glaubens“ geprägt ist. Ich kann dem Kardinal Kurt Koch, Vatikan- Beauftragter für Ökumene und interreligiöse Beziehungen,  nur zustimmen, wenn er sagt,  in Europa sei nicht die Stärke des Islams, sondern die Schwäche des Christentums das eigentliche Problem.

Ähnlich hat es ja auch Bundeskanzlerin Merkel mehrfach formuliert.

Und wörtlich fügte Koch in einem Interview hinzu: „Wer seine eigene Vergangenheit nicht kennt oder sie leugnet, wird keine Zukunft haben. Die heutige Krise in Europa lässt sich nur überwinden, wenn die christlichen Wurzeln wieder entdeckt werden. Europa ist nicht nur eine ökonomische, sondern zuerst eine geistig- kulturelle Größe.“

Und es gibt Aufbrüche, auch hier bei uns in Siegen: Orte der Begegnung und des Glaubens, freshX und Lokale Kirchenetwicklung, Nightfever und Nächte der Lichter, und die vielen Initiativen in unseren Gemeinden.

„Es ist immer gut zu differenzieren. Die Realität ist bunt und nicht schwarz- weiß.“ (Kurt Koch)

Ein zweites Thema: das Reformationsgedenken

Ich gebe zu, dass ich persönlich lieber von Gedenken spreche als von Jubiläum. Eine Spaltung, wie sie 1517 ausgelöst wurde,  kann man nicht feiern, noch darüber jubeln.

Martin Luther’s Grundanliegen, „die Kirche in der damaligen Zeit wieder zum Kern des Evangeliums zurückzuführen, ist positiv zu würdigen. Luther wollte die Kirche nicht spalten und auch nicht eine neue Kirche gründen“ (Kurt Koch). Er wollte sie erneuern.

Es mag viele, auch außerkirchliche, politische Ursachen geben, warum aus seinem guten Anliegen etwas anderes geworden ist, als er wollte.

Ich halte den Vorschlag der EKD für gut, das Reformationsgedenken als ein Christus-Jahr zu begehen. Verletzungen auf beiden Seiten, auf Luthers und seiner Mitstreiter  Seite einerseits und auf Seiten der katholischen Kirche andererseits, sollten vergeben werden können.

Die katholischen Christen entdecken wieder mehr und mehr die Bibel als die Quelle des Glaubens – da haben wir von den Protestanten noch eine Menge zu lernen.

Umgekehrt entdecken evangelische Christen Frömmigkeitsformen wie Wallfahrten und Pilgern wieder neu.

„Vom Konflikt zur Gemeinschaft“ hat die Liturgische Arbeitsgruppe einer lutherisch/katholischen Kommission für die Einheit den Entwurf zu einem Ökumenischen Gottesdienst zum gemeinsamen Reformationsgedenken 2017 genannt.
Ein guter Titel, wie ich finde.

Unser herzliches Zusammensein in den Gemeinden zeigt, dass wir Konflikte überwunden haben. Theologisches Ringen um strittige Frage wird es weiterhin geben.

Die hindern uns aber nicht, weiter auf dem Weg zur Einheit der Christen, zur Gemeinschaft zu bleiben.
Dafür müssen beide Kirchen sich immer wieder auf ihre Quelle, Christus, besinnen !

Dass ER mit Seinem Geist an diesem Synoden-Tag unter Ihnen ist und Ihnen geistvolle Gedanken schenkt, das wünsche ich Ihnen, auch im Namen aller katholischen Geschwister des Dekanates Siegen !

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