23.06.2026

Cathedral Lights Englische Chormusik von der Romantik bis zur Gegenwart

Am vergangenen Sonntag präsentierte der Kammerchor Weidenau in der Kirche St. Joseph unter dem Titel „Cathedral Lights“ ein eindrucksvolles Konzert mit englischer Chormusik des 19. bis 21. Jahrhunderts.

Unter der Leitung von Helga Maria Lange erklangen Werke bedeutender britischer Komponisten, die die reiche Tradition der englischen Kathedralmusik ebenso widerspiegelten wie moderne Klangwelten.

Bereits zu Beginn setzte Malcolm Archers „Creator of the Stars of Night“ einen festlichen Akzent. Der Chor überzeugte mit klarer Intonation und ausgewogener Klangkultur. In „Rejoice, the Lord is King“ entfaltete sich ein freudiger, strahlender Chorklang, während das „Tantum ergo Sacramentum“ durch seine innige Spiritualität beeindruckte. Frank Obermair begleitete den Chor dabei souverän auf der Orgel und die Sopranistin Antje Bischof sang die solistischen Teile mit ihrer klaren und ausdrucksstarken Stimme.

Den Mittelpunkt bildete John Leavitts „Missa Festiva“. In den fünf Messteilen gelang es dem Chor, die festliche Grundhaltung des Werkes überzeugend herauszuarbeiten. Die unterschiedlichen Charaktere der Messe mit dem lyrischen, fast spätromantischen Kyrie und Agnus Dei, dem festlich munteren Gloria, dem von der Gregorianik inspiriertem Credo dem mit Pop-ähnlichen Wendungen angereichten Sanctus faszinierten die Zuhörer/innen. Byeongjun Cho begleitetet am Flügel mit viel Einfühlungsvermögen: in den schnellen Teilen mit großer Virtuosität und in den langsameren Passagen mit wunderbarer Sensibilität.

Es folgten zwei der beliebtesten Werke John Rutters: „I Will Sing with the Spirit“ und „A Clare Benediction“, wieder mit der Begleitung am Flügel. Die warmen Harmonien und die sorgfältige Phrasierung verliehen den Werken große Ausdruckskraft.

Mit Colin Mawbys „Jubilate Deo“ und dem „Salve Regina“, das der Komponist zu Lebzeiten der Dirigentin gewidmet hatte, standen anschließend zwei Kompositionen auf dem Programm, die sowohl festliche Energie als auch meditative Tiefe vereinen. Der Chor meisterte die unterschiedlichen Anforderungen souverän und überzeugte durch Homogenität in allen Stimmen.

Von Carl Jenkins sangen der Kammerchor Weidenau und die Solistin das klangvolle „Ave verum“ sowie das berührende „Virgo Virginum“ aus dem „Stabat Mater“. Die moderne Tonsprache Jenkins’ bildete eine spannende Brücke zwischen Tradition und Gegenwart.

Einen wirkungsvollen Kontrast zwischen den ruhigeren Chorstücken boten die 3 Orgelsoli des Abends. Helga Maria Lange ließ Archers „Thornbury Fanfare“ mit Brillanz erklingen und stellte die klanglichen Möglichkeiten der Orgel eindrucksvoll unter Beweis. Auch Robert Jones „Intrada“ und Richard Lloyds „Church Parade“ gestaltete sie mit rhythmischer Präzision und farbenreicher Registrierung.

Den festlichen Schlusspunkt setzten zwei Werke von Charles Villiers Stanford. Das „Magnificat in G“ und „O be joyful in the Lord“ vereinten noch einmal die charakteristischen Qualitäten der englischen Chormusik: prachtvolle Klangentfaltung, melodische Eleganz und geistliche Tiefe, vorgetragen vom Kammerchor Weidenau und der Sopransolistin Antje Bischof. Mit „Cathedral Lights“ gelang allen Mitwirkenden ein abwechslungsreicher und stimmungsvoller Konzertabend, der die Vielfalt und Schönheit der englischen Chormusik eindrucksvoll erlebbar machte und vom dankbaren Publikum mit lang anhaltendem Applaus belohnt wurde.

Fotos ©K.H. Köhle