Spirituelles

Hier finden Sie die wöchentlichen Impulse aus dem Dekanat - auch bei Facebook und Instagram - sowie Links zu spirituellen Themen.

GLAUBE - Liebe - Hoffnung

Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?
Das sagt Jesus zu den Jüngern im sturmgeschüttelten Boot auf dem See.
Das klingt ärgerlich, vorwurfsvoll. Das passt nicht zu dem Jesus, den ich mir wünsche. Versteht er wirklich so wenig von seinen Menschen, dass er nicht nachvollziehen kann, was Angst, was Zweifel bedeutet? War Jesus wirklich so, dass man als sein unmittelbares Gegenüber einfach glauben musste, dass er diese Macht hat?
Der Kontext hilft: das Drama vom Sturm auf dem See steht im vierten Kapitel des Markusevangeliums. Es folgt unmittelbar auf eine große Gleichnisrede, die Jesus am See vor vielen Menschen hielt. Hier hat er schon die Jünger beiseite genommen, ihnen mehr erklärt als der Menge. Vorher waren sie mit ihm unterwegs und haben Heilungen miterlebt – bei Markus reiht sich vorher sozusagen ein Wunder ans nächste.
Jetzt höre ich einen ganz anderen Tonfall in Jesu Stimme: Müdigkeit, Enttäuschung, Traurigkeit.
Nach allem, was ihr erlebt habt, ihr kennt mich doch jetzt, habt gehört, was ich sage, habt gesehen, was ich tue – nach all dem: warum habt ihr Angst?
Und plötzlich ist Jesus nicht mehr nur der Übermenschliche, der den Sturm zum Schweigen bringt, sondern gleichzeitig der ganz und gar Menschliche, der verstanden sein will, der sich nach dem Vertrauen seiner Freunde sehnt, der wie ein Liebender immer wieder beteuert: Glaub mir doch, ich bin da für dich! Was soll ich denn noch tun, damit Du mir glaubst?
Da ist er machtlos. Alles hängt an mir. Kann ich ihm glauben?
Manchmal geschieht ein Wunder: dann ist es da, das Vertrauen. Ganz leise. Ein Aufatmen, eine Sicherheit. Ich bin nicht allein. Ich bin gesehen, gefunden, gehalten. Ich kann auch mal loslassen. Es darf auch mal schiefgehen. Es geht weiter. Anders vielleicht. Aber es geht. Da ist einer mit mir im Boot. Einer, der für mich mutig ist, wenn ich Angst habe. Einer, der das Steuer übernimmt, wenn ich zu müde bin, den Kurs zu halten. Eine Begegnung, eine Idee, ein Wort.
Vielleicht auch beim ÖKT in Siegen? Heute! Komm vorbei!
db

Glaube - LIEBE - Hoffnung

Hast du nur ein Wort zu sagen,
nur einen Gedanken, dann
lass es Liebe sein.
(Rosenstolz: Liebe ist alles)
Es gibt so viele Liebeslieder, alte und neue, kitschige und bombastische, leise und behutsame, Ohrwürmer und Eintagsfliegen. Auch die Bibel ist voll mit Liebesliedern, aber wir erkennen sie nicht auf den ersten Blick. Ein ganzes Buch, das Hohelied Salomos, beschreibt in überraschender Deutlichkeit die Beziehung eines liebenden Paares, und hinter dieser ersten Bedeutungsebene verrät es auch viel über die Beziehung Gottes zu uns Menschen. Im ersten Brief von Paulus an die Korinther gibt es eine weitere Version des Hohelieds der Liebe, auch diese Worte sind auf unterschiedliche Beziehungen anwendbar.
Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig.
Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf.
Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil,
lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach.
Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit.
Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand.
Die Liebe hört niemals auf.
1 Kor 13,5-8
Liebe –
unbedingt, nicht erarbeitet
absichtslos, nicht verzweckt
freimachend, nicht einengend,
unterstützend, nicht unter Druck setzend,
wohltuend, nicht berechnend –
Nicht immer gelingt eine solche Liebe, jede Beziehung hat Höhen und Tiefen. Und manchmal passen die Songs mit harten Worten der Abrechnung, der Eifersucht und der Einsamkeit, manchmal eher die sanften, zärtlichen, sehnsuchtsvollen. Hören wir in unseren menschlichen Liebes-Liedern die Melodie der unbedingten Liebe Gottes mitschwingen!
So viele Hohelieder der Liebe – welches singst Du? Möge das eine Wort, das zu sagen, zu singen bleibt, immer wieder Liebe sein.
Mehr Impulse zur Liebe – zum Partner, zur Partnerin, zu Gott, zum Nächsten – gibt´s beim Ökumenischen Kirchentag am Samstag, 18. Juni in Siegen! Herzliche Einladung!

Glaube - Liebe - HOFFNUNG

Glaube – Liebe – HOFFNUNG

Cover me in sunshine
Shower me with good times

Hüll mich mit Sonnenschein ein, überschütte mich mit guten Zeiten – besonders in der langen Coronazeit haben wir das gebraucht. Und auch jetzt, angesichts des Krieges in der Ukraine, wird dieser Song mit jedem weiteren Zuhören für mich noch mehr zum Ausdruck einer Sehnsucht, die weit über unseren Alltag hinausgeht.

Tell me… everything will be alright

Sag mir, dass alles wieder gut wird.
Sag es mir,
versprich es mir.
Dass es weitergeht,
dass wir erfüllt leben werden,
dass wir glücklich sein können.
Sag mir, dass alles gut wird.
Dass wir gesegnet sind, weil Einer uns Gutes sagt.

I´ve been missing yesterday, but what if there´s a better place?

Nicht nur so wie vorher soll es werden, wie früher, sondern besser.
Welche Hoffnung, welche visionäre Kraft singt da!
Was, wenn es eine bessere Welt geben könnte?
Sehnsüchtige Prophetinnen und Propheten sind es,
die den neuen Zusammenhalt sehen nach den Einschränkungen und Gefahren der Pandemie,
die sich einsetzen gegen den Krieg und gegen Unterdrückung,
die auf eine gerechte und friedliche Gesellschaft hinarbeiten,
die eine Zukunft in ökologischer Verantwortung füreinander und für unsere Erde erträumen,
die aus der Kraft ihrer Hoffnung für eine neue bessere Welt mit aller Kraft streiten.

Cover me in sunshine.

Gott, nimm es als mein Gebet, als Ausdruck meiner Hoffnung, meiner Sehnsucht, wenn ich das nächste Mal laut mitsinge, wenn ich Pink und Willow im Radio höre!

db

(Textauszüge: Pink – Cover me in sunshine)

Mehr hoffungsvolle Impulse gibt’s beim Ökumenischen Kirchentag am 18. Juni in Siegen. Weitere Infos unter www.ungaublich-siegen.de – Herzliche Einladung!

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Pfingstwunder

Sprachenvielfalt gab´s (mindestens) zweimal in der Bibel. In Babylon und in Jerusalem.

Die Geschichte vom Turmbau zu Babel (zum Nachlesen: Gen 11, 1–9) schildert, so könnte man meinen, geradezu das Anti-Pfingsten. Vor einigen Jahren habe ich mit ein paar Jugendlichen meiner alten Gemeinde die Vorabendmesse zu Pfingsten vorbereitet, und an der Babelgeschichte haben wir uns lange die Zähne ausgebissen. Wir haben uns gefragt – was ging in Gott vor zwischen der Verwirrung der Sprachen in Babel und der Sendung des Geistes beim Sprachenwunder in Jerusalem?

Und genau das war unser Denkfehler – wie wir dann im Laufe des Gesprächs über die Texte bemerkten. Nicht Gott war es, der seine Haltung verändert hat – die Menschen haben anders darauf reagiert.

Das, was ich beim ersten Lesen als Strafe empfunden habe – die Verwirrung der Sprache – war auch damals schon eine Aufforderung: geht los in die ganze Welt!

Beim zweiten, „richtigen“ Pfingsten“ haben die Jünger das getan: in der Apostelgeschichte verstehen die Jünger die Vielfalt der Sprache als einen Gewinn an Kommunikationsmöglichkeit für sie. Sie sind mutig auf das Neue zugegangen – auf Menschen, mit denen sie sich vorher nur schwer verständigen konnten. Später dann haben sie auch ihre vertraute Umgebung hinter sich gelassen und haben sich „zerstreut“, sind hinausgegangen in die Welt – genau wie die Einwohner Babels. Letztere aber taten das offenbar in einem ganz anderen Gefühl: voll Frustration, voller Angst, das „sich zerstreuen“ war mehr Rückzug ins Eigene, Weichen vor dem Fremden, das da plötzlich überall war.

Auch war die Einheit vorher in der Situation von Babel eine ganz andere als in Jerusalem: in der Pfingsterzählung aus der Apostelgeschichte hören wir, dass die Jünger im Gebet versammelt waren, dass sie miteinander auf etwas Größeres, auf einen Größeren warteten. Die Menschen von Babel hingegen bauen auf sich selbst, wollen sich ganz ausdrücklich und bewusst mit dem Turm „einen Namen machen“. Ihre Sorge, sich zu zerstreuen – dagegen bauen sie ja den Turm – entspringt der Angst vor Schwäche, entspringt fehlendem Vertrauen auf den, der ihnen doch ganz klar gesagt hat – zweimal sogar, den ersten Menschen, die er nach seinem Bild geschaffen hatte und später der Familie des Noach: Seid fruchtbar, vermehrt euch, bevölkert die Erde!

Meine Frage hat sich geändert mit dieser Interpretation des Textes. Ich frage mich – wie gehe ich selbst um mit dem Geschenk des Geistes? Behalte ich für mich, was ich erfahre, was mir geschenkt wird, was ich empfange? Oder gehe ich hinaus, teile ich mich mit, teile ich das, was mich erfüllt – sprudle ich über davon? Erlebe ich die Vielfalt als Reichtum? Oder weiche ich Fremdem voller Angst aus?

Ob Pfingsten bei mir ankommt, ob Gott bei mir ankommt, liegt daran, wie offen ich für den Geist bin. Ich kann mich in jedem Moment neu entscheiden, pfingstlich zu leben, einer Situation voller Kraft und Mut entgegenzutreten – oder doch in meinem eigenen Babylon zu bleiben: Angst zu haben, mich zu fürchten, mich überfordert und bedroht zu fühlen, mich zurückzuziehen.

Feiern wir an diesem Pfingstfest bewusst die Vielfalt unserer Möglichkeiten. Es gibt immer mehr als eine. Wählen wir immer mal wieder den pfingstlichen Mut statt der babylonischen Angst. Uns stärkt der, der uns im Evangelium begegnet und uns zuspricht: „Friede sei mit Euch!“

db

Foto: Gerd Altmann / Pixabay

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Katholikentag 2022 in Stuttgart

Leben teilen
in einer bunten
vielfältigen
sich nach Frieden sehnenden
Kirche
Ideen teilen
mit denen, die diese Kirche entwickeln wollen
Träume teilen
mit denen, die an der Kirche leiden
Glauben teilen
mit denen, die trotzdem bleiben, in der Hoffnung auf den heiligen Geist und die Kraft unserer Visionen
Zukunft teilen
mit denen, die auf der gleichen Erde leben und doch unter völlig anderen Bedingungen, die auch ich mit verändern kann
Verantwortung teilen
mit allen, die das gemeinsame Haus schützen und für alle zu einem lebenswerten Ort machen wollen
Leben teilen
feiern
weinen
glauben
gesegnet sein
Segen sein
für alle, heute und morgen
db
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Seht, ich mache alles neu!

Ich, Johannes, sah einen neuen Himmel und eine neue Erde;
denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen,
auch das Meer ist nicht mehr.
Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem,
von Gott her aus dem Himmel herabkommen;
sie war bereit wie eine Braut,
die sich für ihren Mann geschmückt hat.
Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen:
Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen!
Er wird in ihrer Mitte wohnen
und sie werden sein Volk sein;
und er, Gott, wird bei ihnen sein.
Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen:
Der Tod wird nicht mehr sein,
keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal.
Denn was früher war, ist vergangen.
Er, der auf dem Thron saß, sprach:
Seht, ich mache alles neu.
Offb 21, 1–5a

Ein Traum wie eine Umarmung,
eine Vision wie ein Aufschluchzen nach verzweifeltem Weinen,
eine Hoffnung, die unter Tränen lächelt.

Wir beten
für alle, die traurig sind,
für alle, die einen lieben Menschen verloren haben,
für alle, die sich Versöhnung wünschen,
für alle, die Angst haben,
für alle, die sich nach Frieden sehnen,
für alle, denen die Hoffnung verloren gegangen ist.

Komm und mach alles neu.

db

Photo by Jordan Whitt /unsplash

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Von Schafen und Menschen

Mit dem Hören ist es so eine Sache. Und mit dem „auf Jesus hören“ noch eine ganz andere. Einfach ist es nicht. Sonst sähe die Kirche anders aus. Und die Welt auch. Wenn es doch so einfach wäre: „Meine Schafe hören auf meine Stimme. Ich kenne sie und sie folgen mir.“
Ihm zu folgen, das nehmen so viele für sich in Anspruch.
Manchmal sind sie auf völlig entgegengesetzten Wegen unterwegs, und alle sind überzeugt davon, dass es Jesu Weg ist.
Wenn dieser Weg so eindeutig ist, warum tun wir uns mit Entscheidungen so schwer?
Und warum sind die einfachen Antworten genau die, die mir so verdächtig vorkommen?
Der einzige Aspekt, der mir in diesem Verhältnis übertragbar scheint, ist das Vertrauen auf den Hirten und die Gewissheit der Zugehörigkeit. Dann ist es schon vorbei mit der Vergleichbarkeit. Gleichzeitig ist damit das Wichtigste gesagt. Ich gehöre zu Dir, Jesus, Hirte. Ich kenne Deine Stimme und folge Dir.
Wie das aussieht für mich, als Mensch, nicht als Schaf?
Da wird es dann kompliziert. Nicht weil wir dümmer als die Schafe sind.
Nein, weil wir Menschen sind.
Mit freiem Willen, mit einem Gewissen, mit einem inneren Gespür für richtig und falsch. Mit einer Erinnerung an die Vergangenheit, mit einem Bewusstsein für die Gegenwart, mit einer Sehnsucht für die Zukunft.
Mit mehr als einem rein natürlichen Überlebensinstinkt.
Mit der Sehnsucht nach Sinn.
Weil wir Menschen sind, müssen wir Entscheidungen treffen.
In jedem Moment, an jedem Tag.
Weil wir entscheiden können.
Weil wir das dürfen.
Weil wir frei sind.
Deshalb sind wir nicht eins.
Wir sind viele, und das ist gut so.
Wir sind verschieden, und das ist nicht schlimm.
Wir sind einzigartig, und das ist wunderbar.
Und so unterschiedlich wie wir sind, können wir seiner Stimme folgen.
In Auseinandersetzung miteinander.
Im Austausch, im Dialog, manchmal im Streit, immer in der Begegnung.
Immer mit seiner Stimme im Ohr.
Irgendwann werden wir sehen, spüren, schmecken, Anteil haben an dem, was er für uns will.
„Ich gebe ihnen ewiges Leben.“
Dann sind wir eins.
Jetzt sind wir viele.
Viele Menschen guten Willens, die auf seine Stimme hören und die tun, was sie für sich als richtig erkannt haben.
db

Gegrüßet seist Du, Maria

Der Mai ist da. Und mit ihm die besondere Zeit der Verehrung Mariens. So viele Menschen wenden sich vertrauensvoll an Maria, weil ihr nichts Menschliches fremd ist, weil sie unsere gesamte Gefühlspalette durchlebt und durchlitten hat.
Im wahrsten Sinne des Wortes himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt war sie, wenn wir uns auf der einen Seite die Geburt und auf der anderen Seite den Tod ihres Sohnes Jesu vorstellen.
Überrascht und doch mutig war sie vorher beim Besuch des Engels Gabriels, der die junge Frau mit dieser über-menschlichen Idee Gottes konfrontierte, als Mensch durch sie zu Welt zu kommen. Maria hatte sich ihr Leben vermutlich anders vorgestellt – bei durchkreuzten Plänen und beim Annehmen dieser ist sie uns deshalb vielleicht besonders nah…
In der Begleitung des erwachsen werdenden Jesus war sie in allumfassender Weise mütterlich: sorgend, aber auch mahnend, als er weggelaufen war, im guten Sinne besser-wissend, als sie ihren Sohn auf den Missstand beim Hochzeitsfest hinwies und den mürrisch antwortenden Jesus sanft, aber fest ins Handeln bringt zum Wohle der Festgesellschaft.
Es war sicher nicht immer eitel Sonnenschein, die Mutter des Herrn zu sein, aber sie hat ihre Spuren hinterlassen in seinem Handeln. Sie hat an ihn geglaubt, sich mit ihm gefreut, mit ihm gelitten, um ihn getrauert und sich wie wir heute mitreißen lassen von seinem Sieg über den Tod. Sie war ihm so nah in allem, dass wir ihr heute noch zutrauen, dass sie ihm auch unsere so unterschiedlichen Gefühlsregungen ganz nahe bringen kann.
Im Magnificat singt Maria ihrem Gott, der sein Volk seit Generationen nicht verlässt und ihm immer wieder sein Erbarmen zeigt. All das ist Grund zur Freude, Grund zum Loben. Darum singt Maria. Und sie singt in Erwartung all dessen, das da noch kommen soll. Ihr Lied ist Rückschau und Ausblick zugleich. So wie Gott bereits gehandelt hat, so wird er weiterhin handeln, zukünftig in diesem ihr verheißenen Kind.
Möge der Mai uns mit Maria ein Monat der Hoffnung sein, ein Monat des Vertrauens auf Gottes Treue und seine Nähe in Jesus Christus.
db

Du kannst das!

Das Gleichnis vom barmherzigen Vater (Lk 15, 11-32) ist eines von mehreren Gleichnissen, mit denen Jesus versucht zu beschreiben, wie Gott ist. Vor dieser Gleichnisreihe steht bei Lukas eine harte Forderung, die Jesus an die stellt, die ihm nachfolgen wollen: Wer nicht seine Familie, sein Leben gering achtet, wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt, wer nicht auf seinen Besitz verzichtet, der kann nicht mein Jünger sein.
Mit einer Umkehr der Perspektive wird aus der Härte dieser Anforderung ein liebevoller Zuspruch: wenn ich die Rechnung mit Gottes Gnade mache, dann kann ich das.
Dann sagt Jesus: Hey, Du kannst mein Jünger sein, weil ich es bin, der an Deiner Seite ist.
Du kannst es sein, weil Du mir vertraust – dieses Vertrauen ist größer als alle Sorge um Deine Familie und um die, die Du liebst.
Du kannst es, weil Du mir so sehr vertraust, dass Du mit mir gehst, Du mit Deinem Kreuz und ich mit meinem, und so mit mir auferstehst.
Du kannst es, weil Du so sehr darauf vertraust, dass ich für Dich da bin, dass Du loslassen kannst, dass Du nicht mehr das Gefühl hast, allein für alles sorgen zu müssen – Du vertraust darauf, dass ich da bin für Dich und so rückt Dein Besitz in Deiner Aufmerksamkeit weit nach hinten.
Wenn ich Gottes Gnade, sein Wirken in meinem Leben ernstnehme, wenn ich ihn nicht ausklammere aus meiner Rechnung, indem ich versuche, alles allein hinzukriegen, dann kann mein Leben in der Nachfolge Jesu gelingen – nicht weil ich es aus mir selbst heraus kann, sondern weil er es ermöglicht.
Daran knüpft Lukas im weiteren Verlauf seiner Darstellung an. Er schildert in Bildern, wie groß die Freude Gottes am Menschen ist, wie wichtig jeder und jede einzelne für Gott ist – und wie groß seine Sehnsucht nach uns ist, auch wenn wir das Gefühl haben, seinen Ansprüchen ganz und gar nicht zu genügen. Das Gleichnis vom Barmherzigen Vater rundet dieses Kapitel bei Lukas ab. Und in diesem großen Zusammenhang ist es wie ein Locken:
Komm, folge mir nach! Ja, genau Du! So wie Du bist, bist Du gut! Und so sehr geliebt.
db

...und der Dornbusch brannte und verbrannte doch nicht.

Als der Herr sah, dass Mose näher kam, um sich das anzusehen,
rief Gott ihm mitten aus dem Dornbusch zu: Mose, Mose!
Er antwortete: Hier bin ich.
Er sagte: Komm nicht näher heran!
Leg deine Schuhe ab;
denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden.
Exodus 3,4-5
Mose wurde von der Erscheinung des brennenden Dornbuschs überrascht, mitten in seinem Alltagsgeschäft, beim Weiden der Schafe.
Die Erfahrung der Gegenwart Gottes kommt für uns Menschen oft überraschend.
Sind wir offen für seine Gegenwart, auch dann, wenn wir gerade nicht mit Ihm rechnen?
Wie fühle ich mich in Gottes Gegenwart? Frei und geliebt oder kenne ich auch Furcht gegenüber Gott?
Gott hat das Elend seines Volkes gesehen, er will die Israeliten aus der Sklaverei befreien.
Auch in unserem Leid, in unseren Sorgen und in unserem Kummer ist Gott uns nah.
Können wir glauben, dass Gottes Zusage der Befreiung auch für uns gilt?
Gelingt es uns, den befreienden Gott in unserem Leben zu bezeugen, indem wir uns unsererseits für die Freiheit der Unterdrückten einsetzen?
Mose fragt nach dem Namen Gottes. Gottes Name ist ein Tu-Wort: „Ich bin der Ich-bin-da“.
Wenn uns andere fragen: Wie heißt dein Gott? Erzähl mir von ihm! Was würde ich als Antwort geben?
Habe ich schon einmal erlebt, dass Gott mit mir auf meinem Lebensweg unterwegs ist als mein Gott, als „Ich bin da für Dich“?
db

Bin ich Jesus?

„Bin ich Jesus?“ – Früher war das schonmal ein salopper Spruch, der uns über die Lippen kam auf Fragen, auf die man keine Antwort hatte und eigentlich sagen wollte „Woher soll ich das denn wissen?“
Bin ich Jesus?
Mit Blick auf die Versuchungsgeschichte aus dem Sonntagsevangelium frage ich mich das in diesen Tagen aber viel ernsthafter.
Bin ich wie Jesus?
Kann ich widerstehen?
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein –
Und doch regt sich Unruhe, erwachen Hamstertriebe, wird versucht, vorzusorgen für alle möglichen Eventualitäten und Szenarien von Stromausfall bis Atomkrieg.
Kann ich widerstehen?
Alle Reiche und Länder dieser Welt beherrschen, Macht über den ganzen Erdkreis –
Offenbar gibt es diese Verlockung und offenbar gibt es Menschen, die tatsächlich dafür alles tun, auch den Pakt mit dem Teufel eingehen.
Wie ist mein eigenes Verhältnis zu Macht?
Ich will auch bestimmen.
Ich will mein Leben selbst in der Hand haben.
Dazu gehört – das wird mir gerade immer wieder bewusst – dass ich mir wünsche, dass andere weniger Macht haben, denn durch ihre Macht wird meine Selbstbestimmung kleiner, bin ich ausgeliefert. Wenn der Teufel mir das anbieten würde – würde ich stattdessen mich in die Hand Gottes geben? Wäre mein Vertrauen dafür groß genug? Oder würde ich mich doch lieber auf mich selbst verlassen – und den Pakt mit dem Teufel eingehen, in der überheblichen Hoffnung, dass es mir gelingt, meine Macht „gut“ zu gebrauchen und nicht abzugleiten in die Unterdrückung der anderen?
Könnte ich widerstehen?
Und schließlich:
Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.
Du sollst nichts Waghalsiges tun (Dich vom Tempel stürzen), um dann fromm auf die schützenden Engel zu warten.
Nein, das nicht.
Aber beten.
So wie Jesus in der Wüste.
Beten.
Nicht mit Gott handeln.
Beten.
Und auch hier: bin ich wie Jesus?
Kann ich beten?
Jetzt?
Immer noch?
Trotz allem?
Ich will widerstehen – dem Gefühl der Ohnmacht, der Verzweiflung, der Nutzlosigkeit.
Ich will beten.
Wie Jesus.
Notfalls 40 Tage und länger.
Damit der Teufel nicht gewinnt.
db

Kehr um und glaub an das Evangelium

Hab keine Angst.
Du musst nicht alles selber machen,
dich selbst nicht groß, heil, perfekt machen,
Angst, Sorgen, Trauer, Schuld allein tragen.
Einer hat dich zum Glück geschaffen.
Du bist Sein geliebtes Kind.
Alles wird gut.
Das ist das Evangelium,
die gute Nachricht,
die frohe Botschaft,
das Wort Gottes:
Ich bin bei dir.
Du bist nicht allein.
Keine Drohung, sondern liebevolle Erinnerung:
Kehr um, und glaub an das Evangelium.
Glaub an diese gute Nachricht.
Sieh in die andere Richtung.
In Seine Richtung.
Er lässt dich nicht fallen.
db

Gut und schlecht?

Jesus,
heute würde ich gern mit dir reden
von Angesicht zu Angesicht.
Ich habe Fragen
und ich verstehe dich nicht.
„Es gibt keinen guten Baum,
der schlechte Früchte bringt,
noch einen schlechten Baum,
der gute Früchte bringt.
Denn jeden Baum erkennt man an seinen Früchten:
Von den Disteln pflückt man keine Feigen
und vom Dornstrauch erntet man keine Trauben.
Der gute Mensch bringt
aus dem guten Schatz seines Herzens das Gute hervor
und der böse Mensch bringt
aus dem bösen das Böse hervor.“
Lukas 6,43-45
Meinst du das ernst?
Der gute Mensch und der böse Mensch –
so eindeutig und unverrückbar verschieden
wie Distel und Feigenbaum,
wie Dornstrauch und Weinstock?
Hat der böse Mensch genau so wenig Chancen, Gutes hervorzubringen
wie die Distel, eine Feige wachsen zu lassen?
Jesus,
wie passt das zu deinen Begegnungen mit den Menschen?
Geh- und sündige von nun an nicht mehr.
Komm vom Baum herunter, heute will ich bei dir zu Gast sein.
Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.
Jesus,
wie passt das zur Schöpfung,
zur Gottebenbildlichkeit,
zu „und Gott sah, dass es gut war?“
Jesus,
vielleicht warst du verzweifelt.
Vielleicht hast du das gesehen, was wir gerade sehen:
Harte Fronten,
kein Einlenken,
rohe Gewalt,
großes Unrecht,
Krieg.
Jesus,
ich will das nicht glauben.
Ich kann das nicht glauben,
denn dann wäre meine Hoffnung verloren.
Wenn der böse Mensch nur böse ist,
wo ist dann die Hoffnung auf Frieden?
Wo ist die Möglichkeit zu Versöhnung?
Jesus,
ich glaube
immer noch und trotz allem,
besonders jetzt,
dass der Mensch sich entscheidet
zu Gutem
und Bösem,
dass er erkennen kann
was gut ist und böse.
Dass er Unrecht spürt –
erlittenes und selbstverantwortetes.
Ich glaube das.
Ich hoffe das.
Ich bete darum.
Ich glaube
und hoffe
und bete,
dass auch jetzt
immer noch
Frieden möglich ist.
Jesus,
Bruder,
lass mich nicht allein
mit meiner Hoffnung.
Glaub mit mir
an die Menschen.
An alle,
an jeden einzelnen.
Gib keinen verloren
Gib niemanden auf.
Glaub an Versöhnung.
Die Kraft liegt in uns.
db