Am Sonntag, dem 6. September 2026, erklangen in der Kirche St. Marien in der Siegener Oberstadt besondere Orgelwerke. Die Organistin Helga Maria Lange hatte ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, das musikalische Traditionen aus Deutschland, Frankreich und England miteinander verband und zugleich einen besonderen Schwerpunkt auf das Thema „Maria“ legte.
Den feierlichen Auftakt bildeten Werke von Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn-Bartholdy. Mit dem Praeludium und Fuge C-Dur (BWV 547) sowie Allein Gott in der Höh sei Ehr stellte Bach seine kunstvolle und zugleich geistlich geprägte Tonsprache vor.
Es folgten die beiden ersten Sätze aus Mendelssohns Orgelsonate in A-Dur aus op. 65. Meisterhaft balancierte Helga Maria Lange den Wechsel zwischen dem majestätischen ersten Satz über den Choral „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ und dem friedvollen Andante tranquillo aus und brachte die dynamische Bandbreite der Orgel eindrucksvoll zur Geltung.
Virtuos wandte sich Frau Lange anschließend den Werken französischer und englischer Komponisten zu. Eugène Gigouts berühmte Toccata in h-Moll perlte gleichsam durch das Kirchenschiff, während Louis Viernes Madrigal und das glockengleiche Carillon de chapelle du Château de Longpont pastorale Farbfacetten aufzeigten. Maurice Duruflés verfeinerter Choral varié sur „Veni creator spiritus“ bildete das klangliche Bindeglied zur modernen Orgelliteratur.
Aus der englischen Tradition erklangen Percy Fletchers malerische Fountain Reverie sowie sein schwungvolles Festival Piece, ergänzt durch Christopher Tamblings lyrisches Adagio cantabile und ein kraftvolles Grand Choeur, in dem auch die Horizontaltrompeten erklangen.
Besonders feinfühlig gestaltete sich der Programmblock zum Thema „Maria“. Denis Bédards abwechslungsreiche Variationen über „Maria aufgenommen“ ist sowie Martin Außems kontemplativer Choral und Toccata über „Wunderschön prächtige“ setzten spirituelle Glanzpunkte, die dem Raum und dem Patrozinium der Marienkirche in besonderer Weise gerecht wurden. Das Spiel von Helga Maria Lange verband technische Perfektion mit einem tiefen Gespür für die theologischen und musikalischen Dimensionen der Werke.
So bot das Konzert eine eindrucksvolle musikalische Reise durch verschiedene Epochen und Länder. Die Verbindung von bekannten geistlichen Themen mit klanglich sehr unterschiedlichen Orgelwerken machte das Programm zu einem abwechslungsreichen Erlebnis. Durch die Video-Übertragung von der Empore auf eine Leinwand im Chorraum wurden manchen Zuhörern die Geheimnisse des Manual- und Pedalspiels der Organistin näher gebracht.
Das Publikum bedankte sich bei Helga Maria Lange mit lang anhaltendem, begeistertem Applaus. Mit der Zugabe des Boléro de Concert von Alfred Lefébure-Wély endete ein hochstehender musikalischer Nachmittag.
Wolfgang Hein